EXOPOLITIK Exopolitik bei ARTE TV: "Gefährliche Menschenfänger"

ARTE Sendung über Exopolitik„Ich verspreche, dass ich mich an Absprachen halte und nicht vorhabe, Sie in irgendeiner Weise vorzuführen“, versicherte uns der TV-Redakteur Malte Fischer, um uns zum Interview für seinen Beitrag zu überzeugen. Am Sonntag lief dieser im Fernsehen – und wir stellen fest: Der Verfall journalistischer Sorgfaltspflicht und Objektivität macht auch nicht vor ARTE halt.

 

Ein Kommentar von Robert Fleischer

Er klang sehr nett am Telefon, dieser Herr Fischer. Als Kollegen beim Fernsehen hätten wir uns früher sicherlich bestens verstanden. Doch inzwischen habe ich die Seiten gewechselt. Inzwischen bin ich kein „Kollege“ mehr, sondern „Protagonist“. Und für Protagonisten gelten andere Spielregeln.

Für die Sendung „Yourope“, so erzählte mir Fischer, plane er einen Beitrag über Menschen, die sich mit Paranormalem beschäftigen und dazu das Internet nutzen. Einer Vorahnung folgend bat ich ihn, sein Anliegen noch einmal per E-Mail an mich zu schicken. Als Diskussionsgrundlage fürs Interview schickte ich ihm meinerseits das Exopolitik-Briefingdokument, welches nichts als die nackten Fakten enthält und u.a. auch schon Bundestagsabgeordnete zur freundlichen Zusammenarbeit mit uns bewegte.

„Vielen Dank für die Informationen“, antwortete Malte Fischer, und beschrieb seinen geplanten Beitrag wie folgt:

„Meine Hauptfragen wären: Welche Rolle spielt das Internet für Forscher, Gruppen, Aktivisten, die sich mit so genannten paranormalen Bereichen beschäftigen? Welche Rolle spielt es konkret für Ihre Bürgerinitiative? Gibt es durch das Internet eine zunehmende Vernetzung und ein Mehr an Informationsaustausch sowie einfacheren bzw. schnelleren Zugang zu bestimmten Dokumenten, Akten? Warum behandeln die "traditionellen" Medien (Fernsehen, Zeitungen) diese Themen ihrer Meinung nach nicht sachgemäß oder hinreichend? Was ist beim Internet anders? Wie unterscheide ich als Laie und Internet-User seriöse und unseriöse Websites/Anbieter?

Darüber hinaus würde ich Sie im Interview bitten, kurz die Arbeit ihrer Organisation zu beschreiben, ihre inhaltlichen Schwerpunkte, Forderungen und aktuelle Projekte.

Wir würden bei Ihnen im Studio drehen, gerne auch mit Kollegen, ihre Website abfilmen sowie alles, was Sie uns an Material zur Verfügung stellen können (Regierungsakten, Fotos, Pressekonferenzen etc.).“

Wie immer musste alles ganz schnell gehen. Der Dreh, am besten gleich übermorgen, früh um 9 Uhr. „Lassen sie mich bitte nicht im Regen stehen! Jetzt haben Sie mich mit ihren ganzen Infos schon ganz neugierig gemacht“, flehte Fischer.

Hier war ein TV-Journalist, der sich für die Fakten zu interessieren schien und für ein Magazin mit junger Zielgruppe arbeitete. Ich schrieb ihm:

„Obwohl mir meine eigene Erfahrung sagt, dass ich Ihnen besser gar nichts glauben sollte, bin geneigt Ihnen zu glauben, dass Sie für dieses Format tatsächlich wagen könnten, vom Mainstream abzuweichen“. Ich bat ihn, mir ehrlich zu sagen, ob und welches Material er wirklich benötigte. 

Fischer antwortete:

„Wegen Material: Toll wäre der Ausschnitt von der Pressekonferenz sowie die Geheimdienst-Akten, Wissenschaftler-O-Töne sind eher schwierig, da können Sie mir vielleicht besser prägnant im Interview zusammen fassen, welche Aussagen es dort gibt“.

Unter großem Zeitdruck stellten wir also das gewünschte Video- und Aktenmaterial zusammen. Exklusive O-Töne von Apollo-Astronaut Edgar Mitchell, Ex-Verteidigungsminister Paul Hellyer, Stabschef der belgischen Luftwaffe Wilfried de Browyer. Aussagen und Fakten, die man kaum im Fernsehen zu sehen bekommt – fertig serviert in einem Videoformat, das man mit nur einem Mausklick in das beim TV gängige Schnittprogramm importieren kann.

„Super, das freut mich und ich wage Ihnen zu sagen, dass Sie es nicht bereuen werden“, schwindelte Fischer. „Ich freue mich auf morgen! Beste Grüße.“

Der Dreh im Studio von NuoViso verlief in freundlicher Atmosphäre. Fischer stellte die zuvor benannten Fragen, schmuggelte jedoch hier und da Fangfragen ein:

„Können Sie sich vorstellen, dass die Aliens auch im Internet surfen und vielleicht sogar mitlesen, was Sie schreiben?“, fragte er mit unschuldiger Miene. Ob er wohl ernsthaft glaubte, dass ich mich darauf einlassen und so etwas antworten würde wie: „Ja, ich hoffe die Aliens erhören meine Botschaft und holen mich hier ab“? Fragen wie diese ließen mich schon beim Interview stutzig werden. Hier ging es nicht darum, objektiv zu berichten. Hier ging es darum, passende O-Töne zu angeln, die ins vorgefertigte Konzept passten.

 

       

Man muss Fischer zu Gute halten, dass er die Ziele von Exopolitik richtig wiedergab. Doch er stellte Exopolitik geschickt in einen Zusammenhang, der nicht existiert. Und das geht so.

1. Im Sprechertext heißt es: „Exopolitik hält auch Kontakt zu Betroffenen – Bürgern, die angeblich von Aliens gekidnappt wurden, finden durch die Homepage zueinander.“

2. Im von ihm gewählten Interview-Ausschnitt scheine ich diese Aussage zu bekräftigen. Tatsächlich berichte ich aber über eine andere Gruppe im Internet, wo mutmaßliche „Entführungsopfer von Außerirdischen“ sich vernetzen. Dass ich dabei nicht von Exopolitik spreche, geht aus diesem Ausschnitt auch eindeutig hervor.

3. Dennoch folgt im Bericht direkt nach meinem Interview-Ausschnitt eine Sequenz mit einem „Skeptiker“ – der Sprechertext lautet: „Für Paolo Attivisimo sind solche Selbsthilfegruppen brandgefährlich, weil unbedarfte User die pseudowissenschaftlichen Aussagen für bare Münze nehmen“

Da weder Herr Fischer noch der andere Interviewpartner, Herr Attivisimo klar sagen, auf welche Selbsthilfegruppen sie sich beziehen, entsteht beim Zuschauer der Eindruck, die Aussagen Attivisimos stünden in irgendeinem Zusammenhang mit Exopolitik.

Dabei hatte mich Herr Fischer nicht einmal gefragt, welche Selbsthilfegruppe ich meinte. Und wo wurden eigentlich im Bericht die Ausschnitte der Pressekonferenz gezeigt, die Herr Fischer doch so dringend benötigte?

Alles in Allem muss ich feststellen: Malte Fischer hat uns eiskalt angeschwindelt. Offenbar stand das Ziel des Beitrags, ein paar „Spinner“ zu finden, die im Internet paranormalen Blödsinn verbreiten, schon vor dem Dreh fest. Die Fragen nach den Zeugenaussagen und Regierungsdokumenten dienten wohl lediglich dazu, unser Vertrauen zu gewinnen – um dieses dann auszunutzen.

Der hier dokumentierte E-Mail-Wechsel zeugt von Unehrlichkeit und von unsauberen Methoden, die mir bislang nur vom Privatfernsehen bekannt waren. Woher kommt der Qualitätsverfall des öffentlich-rechtlichen Journalismus? Liegt es daran, dass ARTE die private deutsche Produktionsgesellschaft Kobalt.TV beauftragte? Ein ARD-Team zu schicken wäre sicherlich teurer gewesen.

Jedenfalls wird es interessant zu lesen sein, was ARTE selbst zu diesem Vorfall sagt. Ein dicker Brief ist bereits auf dem Weg nach Frankreich. Dies ist keine persönliche Sache. Wie gesagt, Fischer und ich wären früher bestimmt dufte miteinander ausgekommen. Aber hier geht es um die Standards, mit denen ARTE arbeitet und damit Millionen von Menschen in Europa informiert.

Wir brauchen ihn mehr denn je, den wahrhaftigen Qualitätsjournalismus. Und je weniger die Massenmedien diesen liefern, desto größer wird die Bedeutung alternativer Nachrichtenquellen im Internet. Egal wie sehr sich Massenmedien bemühen, diese in Verruf zu bringen. 

Weitere Links:

  • Die gesamte Sendung hier
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