EXOPOLITIK Roswell-Dias - Amerikanische UFO-Forschung in der Krise

Roswell-Alien_-_Der_BeweisEine als Weltsensation angekündigte Enthüllung von Beweise für die Existenz Außerirdischer geriet zur Farce

von Robert Fleischer

Was hatte man nicht im Vorfeld getrommelt: "Sei Zeuge, wie die Weltgeschichte sich verändert!" Im Rahmen einer megalomanen Veranstaltung im mexikanischen Auditorio Nacional sollten der Weltöffentlichkeit erstmals Beweise präsentiert werden. Beweise dafür, dass 1947 tatsächlich ein Fluggerät mit Außerirdischen an Bord in der Wüste von New Mexico zerschellte, dass die Alien-Leichen geborgen und vom Militär versteckt wurden. Donald Schmitt, einer der bislang führenden US-Forscher in Sachen Roswell, schwärmte: "Nach dieser Veranstaltung in Mexiko-Stadt werdet Ihr glauben, dass Roswell tatsächlich geschehen ist!"

Bereits im Februar hatte der mexikanische Journalist Jaime Maussan, dessen Steckenpferd schon immer das UFO-Thema war, die große Enthüllungsshow angekündigt. Jeder sollte dabei sein können, wenn die Geschichte der Menschheit ihre kritische Wende nimmt - zum Preis von umgerechnet bis zu 76 Euro pro Sitzplatz. Wer nicht nach Mexiko fahren konnte, der durfte der Show per Live-Stream beiwohnen - für 15 Dollar.

Argwohn machte sich hingegen früh bei jenen breit, die die Natur der angekündigten "Beweise" hinterfragten: Sollte es sich tatsächlich nur um in paar alte Dias handeln, die jemand auf seinem Dachboden gefunden hatte? Diese Dias, sie seien wesentlich mehr als nur Dias, versicherten die Forscher Don Schmitt und Tom Carey. Schließlich hätten mehrere angesehene Experten die Dias eingehend untersucht - ihre Ergebnisse ließen keinen Zweifel daran, dass es sich um die Abbildung einer außerirdischen Leiche handeln müsse.

Am 5. Mai stieg dann die große Show. Respektierte Professoren mexikanischer Universitäten und mit Knochen vertraute Forensiker gaben sich auf der Bühne das Mikro in die Hand. Ihre Aussagen waren von erschütternder Wissenschaftlichkeit: Der große Kopf des Wesens weise auf extreme Intelligenz hin. Der dünne Knochenbau auf ein Leben in Schwerelosigkeit. Überdies habe das Wesen nur drei Finger. Eindeutig ein Alien.

Ein kleines Schild neben der "Alien-Leiche" aus Roswell hätte natürlich wesentlich einfacher Auskunft über die Natur des Körpers geben können. Doch leider hätten es selbst die besten Experten nicht geschafft, den Inhalt lesbar zu machen. Fünf Jahre lang.

Wie die Geschichte ausging, damit beschäftigen wir uns im aktuellen ExoJournal.

Roswell-Alien: Der Beweis? Das neue ExoJournal!

Als am 10. Mai schließlich herauskam, was tatsächlich auf dem Dia abgebildet ist, reagierten die beteiligten UFO-Forscher zunächst ablehnend. Sie bezichtigten die Aufklärer der Lüge und des Betrugs. Doch inzwischen ist selbst Donald Schmitt mit einer Entschuldigung an seine "Fans" zurück gerudert. Anders als Jaime Maussan: Der Inhaber eines lukrativen Web-TV-Senders beharrt nach wie vor darauf, dass das Dias ein Alien zeige. Auf Twitter versuchte er, die Zweifel an seiner These zu zerstreuen:

"Es existieren sehr mächtige Interessen, die nicht wollen, dass diese Geschichte bekannt wird. Glauben Sie doch, was Sie wollen!"

Meine Meinung dazu habe ich deutlich im neuen ExoJournal formuliert. Ich hoffe, dass das Fiasko von Mexiko-Stadt noch eine ganze Weile in der amerikanischen UFO-Community nachhallt - einem knallharten Business, in dem es um Geld und Ansehen geht. Darum, beim nächsten UFO-Kongress sprechen zu dürfen, vom Discovery Channel gesendet zu werden, Bücher zu verkaufen. Ich wünsche mir, dass die amerikanischen Kollegen - einige von ihnen kenne ich persönlich - jetzt mal innehalten und sich fragen, was sie da tun. Ich wünsche mir, dass es in Zukunft wieder mehr um die Forschung geht als darum, möglichst reißerische Behauptungen über dünne Beweise aufzustellen, um Geld und Sendezeit zu erlangen. Und übrigens gibt es auch noch andere interessante UFO-Fälle auf der Welt, nicht nur Roswell - jene Saga, deren ersten Satz das US-Militär selbst schrieb und die jedes Jahr pünktlich zur Eröffnung des UFO-Kongresses in Arizona neue Blüten treibt.

Kurz gesagt, habe ich durch das Fiasko der "Roswell-Dias" eines gelernt: Es reicht nicht, wenig stichhaltige Behauptungen über UFOs schlicht zu ignorieren. Man muss sie kritisch hinterfragen, und das in aller Öffentlichkeit. Und dazu, befürchte ich, wird es in der Zukunft noch viele Anlässe geben.

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