Zeitgeschehen Geheimdokumente Nichts Neues im Fall "Kecksburg-UFO"?
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Kecksburg_UFOHat die NASA ein Objekt untersucht, welches an einem Dezemberabend im Jahr 1965 in einem Wald bei Kecksburg abstürzte, oder nicht? Nach einem sechsjährigen Rechtsstreit wirft ein Bericht der Journalistin Leslie Kean berechtigte Fragen über die amerikanische Raumfahrt-Agentur auf. Ist die Behörde nicht in der Lage auf ihre eigenen Aufzeichnungen zuzugreifen?

 

 

Das Kecksburg-UFO

Glaubt man zahlreichen Augenzeugen, darunter Anwohnern, Feuerwehrmännern und Journalisten, so soll am 9. Dezember 1965 ein unbekanntes Flugobjekt in einem Waldstück bei Kecksburg abgestürzt oder kontrolliert gelandet sein. Unmittelbar darauf sei die Gegend weiträumig von Militär abgeriegelt worden und ein VW-Bus großes, eichelförmiges Objekt mit „hieroglyphenartiger Aufschrift“ vom Ort des Geschehens wegtransportiert worden sein.

Dem Ereignis voraus gingen Beobachtungen von Tausenden von Augenzeugen über einen Feuerball, der über den Himmel von Nordamerika hinweg geschossen sei und dabei auch Trümmerteile verloren habe. Offizielle Stellen erklärten den Feuerball später als Meteor oder Satellitentrümmer.

Dass die Beobachtungen im Wald von Kecksburg tatsächlich vom amerikanischen Militär zumindest untersucht wurden, belegen offizielle Akten darüber in den Archiven von „Project Blue Book“ – einer Studie der US Air Force zur Untersuchung von UFO-Sichtungen in den Jahren 1952 bis 1969. Hierin heißt es jedoch, dass die Suchmannschaften „absolut nichts“ gefunden hätten.



NASA und die Koalition für Informationsfreiheit

Wenn man bedenkt, dass die NASA offenbar ihre ursprünglichen Aufnahmen der historischen Apollo-11 Mondlandung verloren hat, sind dies nicht unbedingt neue Nachrichten. Neben all den fehlenden Unterlagen, insbesondere im Bezug auf die Beziehungen der NASA zum Verteidigungsministerium (DoD), gibt vor allem die widersprüchliche Geschichte der NASA Rätsel auf.

Im Jahr 2003 zog Leslie Kean mit der Coalition for the Freedom of Information gegen die NASA vor Gericht. Die Raumfahrtagentur hatte aufgrund der FOIA-Anfragen in Bezug auf den Kecksburg-Fall mitgeteilt, dass sie keine Unterlagen besäße. Der Sci-Fi-Channel unterstützte damals die Coalition. Im Jahr 2005 sagte jedoch Dave Steitz, Pressesprecher der NASA, gegenüber der Associated Press, dass die Analysten der NASA die Trümmer des abgestürzten Objektes untersucht hätten. Dabei wäre heraus gekommen, dass es sich um einen russischen Satelliten gehandelt habe.

Damit widersprach die NASA nicht nur ihrem eigenen Standpunkt, dass am 09.12.1965 kein Weltraummüll in die Atmosphäre eingedrungen sei, sondern diese Aussage schien zu bestätigen, dass das abgestürzte Objekt untersucht wurde. Genau dies wurde aber vorher abgestritten und hatte die Klage der Coalition hervorgerufen.
"Warum mussten wir erst einen Prozess anstrengen, wenn sie dies die ganze Zeit wussten?", fragt sich Kean aus New York City.

Mittlerweile hat Steitz gegenüber dem Journalisten Billy Cox von der Herald Tribune zugegeben, dass er damals nur eine persönliche Vermutung geäußert hatte. „Meine damaligen Spekulationen waren falsch.“, gibt Steitz heute zu. "In der Regel verfolgen wir keine Spuren von UFOs", sagte er. "Damals in den Sechzigern schauten wir einfach als Experten für Raumschiffe auf was immer es war und gaben unsere Expertenmeinung ab. Damit schlossen wir den Fall ab und das war's. Unglücklicherweise wurden die Unterlagen zu diesem Fall verlegt."

2007 erzielte Kean einen überraschenden Sieg vor einem Bundesgericht, welches die NASA anwies eine gründliche Suche nach den Aufzeichnungen zu dem Kecksburg-Fall zu starten.

Im August 2009 hatte Kean alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Die NASA hatte hunderte von Dokumenten heraus gegeben, jedoch war das meiste davon irrelevant oder unvollständig. Nun hat Kean einen abschließenden Bericht veröffentlicht ohne zusätzliche Erkenntnisse über den Kecksburg-Fall gewonnen zu haben.

Nichts Neues zum Fall Kecksburg-UFO?

Trotzdem befinden sich unter den freigegebenen Dokumenten einige interessante Details:

Im Jahr 1996 forderte ein gewisser Paul Willis, Aufzeichnungs- und Formular-Manager im NASA-Hauptquartier sogenannte ‚Fragology Files’ aus den Jahren 1962 – 1967 an. Daraufhin erhielt er einen Brief vom National Records Center und wurde darüber informiert, dass diese Akten im Jahr 1987 verschwunden seien. In ihrem vergeblichen Bemühen diese Unterlagen und zusätzlich zwei Kisten mit Aufzeichnungen über die Zusammenarbeit der NASA mit dem Pentagon in den Jahren 1965-1966 zu bekommen, teilte man Kean mit, dass Willis das entsprechende Material nach seiner Pensionierung im Jahr 1996 mitgenommen und nicht wieder zurückgegeben habe. Kean fragte, ob man Willis nicht kontaktieren und die Aufzeichnungen zurück verlangen könne. Ihr wurde mitgeteilt, dass dies die Möglichkeiten von FOIA-Anfragen überschreiten würde. Willis sei kein Mitarbeiter der Regierung mehr und somit eine Privatperson.
Wenn also ein ehemaliger Mitarbeiter der Regierung öffentliches Eigentum mit in den Ruhestand nimmt, dann darf er es behalten!

Weiter befindet sich unter den Unterlagen ein interessantes Memo, welches zwar nichts mit dem Kecksburg-Fall zu tun hat, jedoch bestätigt es, dass sich zwei Projekte der amerikanischen Luftwaffe mit dem Sammeln und Analysieren von herab gefallenen Weltraumobjekten unbekannter Herkunft beschäftigten.

1969 trafen sich der NASA-Ingenieur Richard Schullher, der Verbindungen zum ‚Project Moon Dust’ hatte und Col. Richard Bagnard, offizieller Mitarbeiter im ‚Project Blue Book’. In dem Memo schrieb Schullher, „dass Bagnard insbesondere an dem Potenzial der herab gefallenen Objekte aus dem Weltraum interessiert war, die als UFOs gemeldet wurden." Weiter schreibt Schullher über sein Gespräch mit Bagnard: "Ich riet ihm, alle UFO-Berichte, die der NASA gemeldet wurden, an die Luftwaffe weiter zu leiten. Die beobachtbaren Phänomene von Wiedereintritten waren leicht zu erkennen und in der Regel gelang es uns, die Art des Weltraummülls zu identifizieren. Wenn ein bestimmter Eintritt nicht durch Beobachtung identifiziert werden konnte, sagten wir, dass es ein unwichtiger Meteorit oder Satellit war, der von der NASA oder von NORAD nicht weiter verfolgt werden musste."

Mit anderen Worten: alles, was nicht erklärt werden konnte, wurde als Meteor oder Satellit identifiziert. Diese inoffizielle Politik tauchte auch einen Tag nach dem Kecksburg-Vorfall in einer Notiz eines Luftwaffe-Majors namens Howard auf:

kecksburg_Artikel"(Blue-Book-Direktor) Major (Hector) Quintanilla sagte, dass es OK sei, wenn wir es einen Meteor nennen, der in die Atmosphäre eingedrungen ist. Er sagte, die Untersuchungen seien noch im Gange. Es war kein Weltraummüll, der am 09. Dezember 1965 in die Atmosphäre eingedrungen war."

Es gibt noch mehr Ungereimtheiten – doch unter dem Strich kann man sagen, dass Kean nicht das bekam, wonach sie gesucht hatte. Vielleicht hat die NASA ausgiebig gesucht, vielleicht tat sie es nicht. Ohne eine unabhängige Aufsicht - und die gibt es nicht - werden wir dies wohl nie erfahren. Kean beschuldigt aber nicht das heutige NASA-Personal. Ihrer Meinung nach sei die NASA unterbesetzt, überlastet und überfordert durch einen regelrechten Ansturm von FOIA-Anfragen.

"Dem Bürger soll der Zugang zu öffentlichen Dokumenten rechtsmäßig möglich sein. Man sollte dazu keinen Anwalt brauchen.", sagt sie. "Ich brauchte einen Anwalt. Und es gab Momente der Frustration und Erschöpfung. Aber die Tatsache, dass ein einfacher Bürger mit Hilfe des Gerichts eine Bundesbehörde dazu bringt ihren Job zu tun gibt mir Hoffnung."

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