Zukunftswissenschaften UFO Forschung Mögen Aliens Fußball? Kontroverse um historische UFO-Sichtung
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Spider_web_11164492735Dem Geheimnis des ‘Engelshaars‘ auf der Spur: Was offenbart die Untersuchung der Überbleibsel von UFO-Sichtungen in Florenz und Evora?

Von Tobias Berg

Die UFO-Sichtung, die sich am 27. Oktober 1954 im Florentiner Stadio Artemio Franchi abspielte, könnte auch aus einem Hollywood Blockbuster stammen: Damals beobachteten Tausende Fußballfans minutenlang unidentifizierte Fluobjekte über dem Stadion. Dabei hinterließen die Objekte auch eine mysteriöse Substanz.

Das Spiel des AC Florenz gegen den Unione Sportiva Pistoiese wurde unterbrochen als mehrere Zigarren- und Eiförmige Objekte über dem Stadion schwebten. Gegenüber der BBC-Radiosendung ‘World Football‘ berichteten 2013 einige der ehemaligen Fußballspieler des AC Florenz, darunter auch Fußball-Legende Ardico Magini sowie der spätere Fanbetreuer Gigi Boni, von ihrem Erlebnis.

Beobachtet wurden die Objekte dabei von etwa 10.000 Fußballfans sowie den sich auf dem Feld befindlichen Profis beider Clubs. Im Interview mit der BBC berichtet Boni: “Ich erinnere mich noch deutlich an diesen wirklich unglaublichen Anblick. Sie [Anm. d. Red. Die Objekte] bewegten sich sehr schnell und hielten dann plötzlich [über dem Stadion] inne. Das Ganze dauerte einige Minuten. Ich würde sie [die Objekte] am ehesten mit kubanischen Zigarren vergleichen [...] Ich glaube wirklich, dass es Besucher aus einer anderen Welt waren.

Auch Fußball-Legende Ardico Magnini bestätigt die Sichtung: "Während wir spielten kam plötzlich alles zum Stillstand, weil jeder nach oben an den Himmel blickte. [...] Da war etwas, das aussah, wie ein Ei und es bewegte sich sehr langsam. Jeder blickte nach oben und zur gleichen Zeit fiel auch eine Art silbriger Glitter vom Himmel. Wir waren verblüfft, da wir so etwas noch nie zuvor gesehen hatten. [...] Nachdem alles vorüber war, setzten wir das Spiel fort."

Engelshaar

In den Stunden und Tagen nach dem Spiel kam es in mehreren toskanischen Orten zu ähnlichen Ereignissen. Auch hier wurden die Sichtungen von einer mysteriösen, watte- oder spinnwebenartigen klebrigen Substanz begleitet. Diese nieselte laut Zeugenaussagen wie Regen vom Himmel und benetzte Dächer und Straßen ganzer Orte. Das beschriebene Phänomen wird als Engelshaar bzw. Angel’s Hair bezeichnet und wurde weltweit schon vielfach beobachtet.

Die Substanz verdunstet normalerweise nach einigen Stunden wie Schnee, berichtet Roberto Pinotti, Präsident des italienischen Nationalen UFO-Zentrums (CUN, Centro ufologico nazionale), gegenüber der BBC. Auch er sei damals in Florenz Zeuge eines solchen Phänomens geworden. Ein Redakteur der florentinischen Zeitung ‘La Nazione‘, Giorgio Batini, sammelte sogar einige Proben des Stoffes ein, bevor sie verschwanden, und ließ sie an der Universität Florenz auf ihre Zusammensetzung untersuchen.

2003 berichtete Batini einem italienischen TV-Sender, wie er an diesem Tag wegen der UFO-Sichtungen hunderte Telefonanrufe erhielt. Um sich eine bessere Sicht zu verschaffen, stieg Batini damals auf das Dach des Gebäudes in dem sich die Zeitungsredaktion befand. Der heute 81-jährige erinnert sich daran “helle leuchtende Bälle” gesehen zu haben, die sich auf den Turm einer Kathedrale zubewegten.

Batini versuchte dem Phänomen nachzuspüren und stieß in einem nahegelegenen Wald außerhalb der Stadt auf die geheimnisvolle weiße Substanz und sammelte mehrere Proben, indem er sie auf einen Holzstock wickelte. Als er seine Proben in das Labor der Universität von Florenz brachte fand er heraus, dass auch andere Zeugen dies schon getan hatten. Der Institutsleiter Prof. Giovanni Canneri unterzog die Probe daraufhin einer spektrographischen Analyse.

Der Befund

Das Material wies keinerlei radioaktive Rückstände auf. Die Substanz bestand aus einer Mischung der Stoffe Bor, Silizium, Kalzium und Magnesium. Nach dem Bericht von Canneri handelt es sich um eine "Substanz mit faseriger Struktur mit beachtlicher mechanischer Zug- und Torsionsfestigkeit, die sich bei Erhitzung verhärtet und einen schmelzbaren und transparenten Rückstand hinterlässt.“ Leider wurde das Testmaterial bei der Untersuchung zerstört, so dass leider keine weiteren Analysen möglich waren.

Erklärungsversuche

Eine der gängigsten herkömmlichen Theorien - dass es sich bei Engelshaar um ein durchaus magisch anmutendes Naturschauspiel aus dem Spinnenreich handle - ist indes bis heute umstritten. Demnach handelt es sich bei der Substanz, um die Netze bestimmter Spinnenarten, die ihre Fäden zu langen Seile verknüpfen. Die Tiere nutzen die entstandenen Seilnetze, um weite Wege in großen Höhen zurückzulegen, vorwiegend im September und Oktober.

Der ehemalige Air Force Pilot James McGaha ist sich sicher, dass Spinnen die Versucher des Phänomens sind: “Wenn Teile von diesem Zeug zerreißen und zu Boden fallen kann das schon magisch wirken“, so McGaha gegenüber BBC. Es sei gut vorstellbar, dass durch den Wind getragene wandernde Spinnen in ihren weitläufigen Netzen bei entsprechendem Lichteinfall rätselhafte visuelle Effekte erzeugen. Doch diese Theorie trifft nicht überall auf Zustimmung, weshalb sowohl der Ufo-Forscher Pinotti als auch der Wissenschaftsautor Philip Ball der Spinnentheorie kritisch gegenüber stehen: Die chemische Zusammensetzung von Spinnfäden deckt sich nicht mit der des untersuchten Materials. Bei Spinnenseide handelt es sich um ein Protein – eine organische Verbindung, die Stickstoff, Kalzium, Wasserstoff und Sauerstoff enthält – nicht die Elemente, die bei der Untersuchung von Batinis Probe im Labor gefunden wurden: “Magnesium und Sauerstoff sind häufig vorkommende Elemente in lebenden Organismen, Boron und Silikon weit weniger – wenn dies aber die Hauptelemente in der untersuchten Probe des weißen Rückstandes waren, hört es sich für mich nicht plausibel an, dass sie von Spinnen stammen sollen“, meint Ball.

Engelshaar auch in Portugal

Beim Exopolitik-Kongress 2012 in Prag stellte der Koordinator von Exopolitik Portugal, Francisco Mourão Corrêa, einige der spektakulärsten UFO-Begegnungen des portugiesischen Militärs und die entsprechenden Untersuchungsergebnisse vor. In einem Fall hinterließ ein gesichtetes Objekt am 2. November 1959 über der südportugiesischen Stadt Evora seltsame weiße Fäden, die fast vier Stunden auf dem Boden verblieben. Einige Bewohner der Stadt sicherten Proben des Materials, welche im Anschluss von Dr. Amaral analysiert wurden. Außer einem relativ hohen Natriumgehalt in der Probe fand Dr. Amaral ein kleines käferartiges und mit Tentakeln ausgestattetes Wesen. Weder Amaral noch weitere Experten waren jedoch in der Lage das Wesen zu klassifizieren. Unglücklicherweise wurden die Proben einige Zeit später bei einem Feuer vernichtet.

Um was also handelt es sich bei dem mysteriösen Engelshaar? Und warum wird es häufig in Verbindung mit UFO-Sichtungen beschrieben? Könnte eine genauere Analyse der beschriebenen Elemente eventuell weitere Details über die Herkunft des Materials ermöglichen? Was hat es mit dem in Portugal gefundenen Mikroorganismus auf sich? Solange keine weiteren Proben von qualifizierten Laboren untersucht werden, bleibt das Engelshaar, genau wie die Massensichtung über dem Florentiner Fußballstadion oder über dem portugiesischen Evora ein ungelöstes Rätsel.

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